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Sparrendach, Kehlbalkendach oder Pfettendach?

Drei Bauarten tragen praktisch jedes geneigte Dach in Deutschland. Sie unterscheiden sich darin, wohin die Last geht, wie weit sie spannen und ob im Dachraum Stützen stehen. Das entscheidet über den Ausbau und über den Holzverbrauch.

Hinweis: Alle Maße und Spannweiten auf dieser Seite sind Anhaltswerte aus der Baupraxis. Maßgebend ist die Bemessung nach Eurocode 5 (DIN EN 1995-1-1) durch einen Tragwerksplaner. Ein Standsicherheitsnachweis ist auch dann materiell Pflicht, wenn für das Vorhaben keine Baugenehmigung nötig ist.

Sparrendach: das Dreieck ohne Stütze

Beim Sparrendach bilden je zwei gegenüberliegende Sparren zusammen mit dem Deckenbalken ein Dreieck. Ein Dreieck lässt sich nicht verschieben, deshalb braucht diese Bauart weder Pfetten noch Stiele. Die Last geht direkt in die Außenwände. In Längsrichtung wird das Dach über Windrispen oder eine vollflächige Schalung ausgesteift.

Übliche Spannweiten liegen bei 8 bis 10 Metern. Die Angaben in der Fachliteratur gehen hier auseinander, und Sie finden auch die Zahl 3,50 Meter. Die meint jedoch die freie Sparrenlänge ohne zusätzliche Unterstützung, nicht die Gebäudetiefe. Wer beides verwechselt, dimensioniert deutlich daneben.

Zur Mindestneigung nennen die Quellen 20 Grad oder 30 Grad. Der Grund ist in beiden Fällen derselbe: Je flacher das Dach, desto größer werden die Kräfte am First und am Fußpunkt, und irgendwann nimmt die Holzverbindung sie nicht mehr auf. Sichere Seite ist, ab 30 Grad zu planen und darunter die Bauart zu prüfen.

Für den Dachgeschossausbau ist der stützenfreie Raum der große Vorteil. Der Nachteil zeigt sich bei Gauben und großen Dachfenstern: Jeder Durchbruch braucht einen Wechsel, und je Öffnung sollte nur ein Sparren unterbrochen werden.

Kehlbalkendach: das Sparrendach mit Riegel

Das Kehlbalkendach ist ein Sparrendach mit einem waagerechten Kehlbalken im mittleren Drittel. Er verkürzt die Knicklänge der Sparren, und damit steigt die mögliche Spannweite auf 8 bis 14 Meter. Wirtschaftlich liegt der Bereich etwa zwischen 8 und 12 Metern.

Zwei Faustwerte aus der Praxis: Ein Kehlbalken wird nötig, sobald die Sparrenlänge 4,50 Meter überschreitet, und die Sparrenlänge oberhalb des Kehlbalkens sollte 3,50 Meter nicht überschreiten. Übliche Querschnitte sind 8/16 cm oder zwei Hölzer mit je 6/14 cm. Unter dem Kehlbalken bleiben meist 2,20 bis 2,30 Meter lichte Höhe.

Diese Bauart ist der Standardfall für ausgebaute Satteldächer. Der Raum bleibt stützenfrei, der Kehlbalken ist allerdings sichtbar und begrenzt die Raumhöhe.

Pfettendach: Lasten über Pfetten und Stiele

Beim Pfettendach liegen die Sparren auf waagerechten Pfetten auf, üblicherweise auf Fußpfette, Mittelpfette und Firstpfette. Die Pfetten geben die Last über Stiele oder tragende Wände weiter. Weil die Sparren nur auflagern und nicht Teil eines Dreiecks sind, dürfen sie unterbrochen werden.

Für die Stiele gibt es zwei Grundformen. Der stehende Stuhl hat senkrechte Stiele und setzt eine tragende Innenwand oder einen Unterzug in Gebäudemitte voraus. Der liegende Stuhl arbeitet mit schrägen Streben, die die Last seitlich abtragen und den Dachraum von senkrechten Stützen freihalten. Stiele stehen längs meist in Abständen von 3,50 bis 4,50 Metern, mit Querschnitten von 12/12 bis 14/14 cm. Mittel- und Firstpfetten liegen typisch bei 12/20 bis 16/24 cm.

Der eigentliche Vorteil des Pfettendachs ist die Neigung: Es funktioniert ab etwa 5 bis 10 Grad und damit dort, wo Sparren- und Kehlbalkendach ausscheiden. Über Pfostenreihen lässt sich die Spannweite fast beliebig verlängern, zimmermannsmäßig gebaut sind rund 12 Meter üblich. Gauben und große Fenster sind gut machbar. Bezahlt wird das mit Pfosten im Raum und mit mehr Holz.

Die drei Bauarten nebeneinander

MerkmalSparrendachKehlbalkendachPfettendach
Spannweite8 bis 10 m8 bis 14 müber Stiele praktisch offen, üblich bis 12 m
Neigungab 20 bis 30 Gradab 20 bis 30 Gradab etwa 5 bis 10 Grad
Stützen im Dachraumkeinekeineje nach Stuhlform
Gauben und große Fensteraufwendigaufwendiggut machbar
Holzverbraucham geringstengeringam höchsten
Typischer Einsatzeinfaches Satteldachausgebautes SatteldachWalmdach, flache Neigung, unregelmäßiger Grundriss

Welche Bauart passt zu welchem Dach?

  • Einfaches Satteldach ohne Ausbau: Sparrendach. Es kommt mit dem wenigsten Holz aus.
  • Satteldach mit ausgebautem Dachgeschoss: Kehlbalkendach. Stützenfrei und für die üblichen Haustiefen ausreichend.
  • Walmdach: Pfettendach. Die Gratsparren brauchen ein Auflager, das nur die Pfette liefert.
  • Flaches Dach unter 20 Grad: Pfettendach, weil die anderen beiden Bauarten die Fußpunktkräfte nicht mehr aufnehmen.
  • Viele Gauben: Pfettendach, weil unterbrochene Sparren dort kein Problem sind.

Was das für die Kosten bedeutet

Der Holzverbrauch steigt vom Sparrendach über das Kehlbalkendach zum Pfettendach, der Preis folgt dieser Reihenfolge. Absolute Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen: Die Quellen nennen für die Zimmererleistung zwischen 60 und 110 Euro je Quadratmeter, andere Veröffentlichungen liegen mit 80 bis 250 Euro deutlich darüber.

Der Grund für diese Spanne ist meist nicht der Markt, sondern die Bezugsgröße. Fast keine Quelle sagt, ob sie Dachfläche oder Grundfläche meint, und ob Holz, Statik, Kran und Montage enthalten sind. Vergleichen Sie deshalb keine Quadratmeterpreise aus verschiedenen Veröffentlichungen. Vergleichbar werden Zahlen erst, wenn mehrere Betriebe dieselbe Konstruktion kalkulieren.

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