Dachstuhl als Bausatz
Ein Dachstuhl wird heute nicht mehr auf der Baustelle zugeschnitten. Er kommt als Bausatz: alle Hölzer millimetergenau abgebunden, nummeriert und nach Einbauort sortiert. Was dabei passiert, welche Daten die Zimmerei dafür braucht und was es kostet.
Was Abbund heute bedeutet
Abbund ist das Zuschneiden und Bearbeiten der Hölzer vor der Montage. Der Ablauf ist in fast jedem Betrieb derselbe:
- Aufmaß am Bestand oder Übernahme der Maße aus der Planung, zunehmend mit 3D-Laser.
- CAD-Konstruktion des kompletten Dachstuhls im Abbundprogramm.
- Maschinendaten erzeugt die Software aus dem Modell.
- CNC-Abbundanlage sägt, fräst, bohrt, klinkt und zapft die Hölzer.
- Kennzeichnung und Sortierung nach Einbauort, dann Lieferung in Montagepaketen.
An der Anlage steht dabei meist eine einzige Person, dazu ein Stapler oder Hallenkran. Das erklärt, warum der maschinelle Abbund den handwerklichen weitgehend abgelöst hat.
Was im Lieferumfang steckt
Moderne Abbundzentren liefern montagefertig. Dazu gehören die bearbeiteten Bauteile, der Aufbau- und Montageplan, die Verpackung sowie Befestigungsmittel und Stahlteile. Auf der Baustelle wird dann zusammengesetzt, nicht mehr zugeschnitten.
Der Abbundplan ist das Herzstück. Er enthält alle Maße, Winkel und Verbindungen sowie die Nummerierung jedes einzelnen Holzes. Die Nummern auf dem Plan und die Nummern auf den Hölzern stimmen überein, deshalb lässt sich ein Dachstuhl auch von einer Mannschaft aufstellen, die ihn nicht selbst konstruiert hat.
Welche Daten die Zimmerei braucht
Damit ein Angebot und danach der Abbund entstehen können, braucht der Betrieb einen vollständigen Satz Angaben:
- Grundriss mit Dachausmittlung
- Schnitte mit Bemaßung
- Dachneigung je Dachfläche
- Traufhöhe und Dachüberstand
- Sparrenabstand
- Holzart und Güte, also KVH oder BSH und die Festigkeitsklasse
- Ausbaugrad, etwa ob ein Unterdach vorgesehen ist
- die prüffähige Statik
Genau diese Angaben liefert eine fertige 3D-Planung. Wer mit Maßen, Dachform und Holzliste zur Zimmerei kommt, bekommt ein Angebot, das sich mit anderen vergleichen lässt. Der Standsicherheitsnachweis gehört nicht dazu, er kommt vom Tragwerksplaner.
Was der Abbund kostet
Abgerechnet wird in der Regel nach laufendem Meter Holz, nicht nach Kubikmeter, und meist ab einer Mindestmenge von etwa 1.000 laufenden Metern. Übliche Größenordnungen für reinen Lohnabbund:
| Leistung | Grobe Orientierung je laufendem Meter |
|---|---|
| Sattel- oder Pultdach | rund 2 bis 3,50 Euro |
| Walm- oder Zeltdach | rund 2,50 bis 4 Euro |
| Mansarddach | rund 3 bis 4,50 Euro |
| Sparrenkopf profiliert | rund 3,50 bis 8,50 Euro |
| Zimmermannsverbindungen, etwa Schwalbenschwanz | rund 5 bis 11 Euro |
Das Material kommt hinzu. Konstruktionsvollholz in C24 liegt grob bei 400 bis 650 Euro je Kubikmeter. Für den gesamten Dachstuhl vom Zimmerer nennen die Quellen 60 bis 110 Euro je Quadratmeter, mit erheblichen Abweichungen nach oben. Mehr zur Einordnung dieser Zahlen steht unter Holzbau-Kosten.
Kran, Aufstellzeit und Statik
Für ein Einfamilienhaus reicht in aller Regel ein Autokran mit 30 Tonnen. Kalkulieren Sie mit etwa 500 bis 800 Euro je Tag einschließlich Kranführer, bei stundenweiser Miete mit 150 bis 200 Euro und meist vier Stunden Mindestabnahme, dazu An- und Abfahrt. Ein typischer Dachstuhl braucht rund sechs Stunden Kranzeit. Der Kranführer ist bei Autokranen vorgeschrieben und im Preis enthalten.
Das Aufstellen selbst dauert bei einem klassischen Satteldach zwei bis vier Tage. Bei Walmdach, Krüppelwalm oder mehreren Gauben werden daraus bis zu sieben Tage.
Für die Statik nennen die Quellen sehr unterschiedliche Honorare, von 500 bis 2.500 Euro für ein Einfamilienhaus. Die Spanne hängt an der Komplexität und daran, ob der Nachweis behördlich geprüft wird. Ob geprüft wird, entscheidet in den meisten Bundesländern ein Kriterienkatalog zu den sogenannten einfachen statischen Verhältnissen.